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Literatur

Hier könnt Ihr die Kurzfassung von Büchern lesen, die ich selber gelesen habe und die ich für empfehlenswert bzw. lesenswert halte. Das sind meistens Fachbücher über Politik, Geschichte, Wirtschaft oder auch Physik und Naturwissenschaften.

Wie immer ist auch hier Euer Feedback erwünscht.

Olivier Roy: Der islamische Weg nach Westen
Max Otte: Der Crash kommt
Lena Einhorn: Das Rätsel von Damaskus
Al Gore: Angriff auf die Vernunft
Eric-Emmanuel Schmitt: Adolf H. Zwei Leben
Amartya Sen: Die Identitätsfalle
Lisa Randall: Verborgene Universen


Olivier Roy: Der islamische Weg nach Westen

Ein auf den ersten Blick sehr provozierender Titel, ein Titel den ich zuerst einmal als unmöglich abgelehnt habe. Der Islam auf den Weg nach Westen? Islam und westliche Werte passen nach landläufiger Meinung in ihrem Erscheinungsbild nun so gar nicht zusammen. Und genau darin liegt schon der erste Fehler, wie Olivier Roy sehr überzeugend darstellt. Er beweist, das wir falsch liegen, wenn wir im Westen annehmen, dass Demokratie und die Trennung der Religion vom Staat immer in ein Gesellschaftsmodell wie das unsrige führt. Laut dem Autor ist bei uns die Modernisierung und die Demokratie durch einen Wechsel vom Kollektiv zum Individuum getragen wurden, in den islamischen Ländern kann es aber ganz anders laufen, da kann die Individualisierung des Glaubens auch zum Fundamentalismus führen, als weiteres Beispiel hierfür nennt er hier die amerikanischen Protestanten und Freikirchen. Man mag das jetzt leichtfertig als französisch gefärbten Antiamerikanismus abtun, ich hingegen finde, das dieser Gedanke lohnt verfolgt zu werden.

Roy sieht viele Parallelen zwischen konservativ christlichen Werten und Forderungen von Imamen, die im Westen wirken. Wenn ein solcher Imam die Scheidung verurteilt, dann ist das eher westlich als islamisch geprägt und ruht nicht mehr auf dem Konzept der Scharia, wo die Scheidung auf Antrag des Ehemanns eine der traditionellen Säulen dieses Konzepts darstellt. Roy stellt fest, dass der Neofundamentalismus den Islam an moderne Individualisierungsmodelle und den freien Markt anpasst. Indem er vorgibt, jeden kulturellen Kontext zu ignorieren, und einen Verhaltenskodex zur Verfügung stellt, der in jedem Teil der Welt auf ähnliche Weise funktioniert, ist er ein perfektes Werkzeug der Globalisierung. Roy beschäftigt sich auch mit den Wurzeln des islamistischen Terrornetzwerkes, der Al Qaida.

Seiner Meinung nach sind die Terroristen entwurzelte Pessimisten, die wissen, das die sogenannten islamischen Staaten nicht ihrem Idealbild entsprechen. Ihr Kampf dient nicht mehr der Verteidigung eines Territoriums, sondern der Erschaffung einer neuen globalen und virtuellen Umma. Der Kampf ist jetzt eher eine spirituelle Reise, ja er ist der ultimative Beweis des reformierten Selbst. Als Beispiel führt Roy Mohammed Atta auf, der in seinem Testament festlegte, das er nicht auf die traditionelle Art beigesetzt werden wollte. Die Neofundamentalisten werden durch ihre Sorge um die Reinheit des Islams gezwungen das reale Leben, die bestehende Politik und die sie umgebenden Gesellschaften zu ignorieren. Die Religion wird objektiviert, als geschlossenes und ausdrückliches Set von Normen und Werten betrachtet, welches völlig losgelöst ist von der sie umgebenden und gelebten Kultur. Säkularisierung bedeutet also keinesfalls das Ende der Religion sonder nur das sich die Religion von den anderen Sphären des gesellschaftlichen Lebens trennt. Somit begünstigen die Neofundamentalisten die Trennung von Religion und Staat und damit sind sie auf dem Weg in den Westen.

Ein anspruchsvolles Buch, das einem die Augen öffnet und auch über das Wirkungsbild unserer eigenen Kultur im Rest der Welt reflektieren hilft. Unbedingt lesenswert!

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Max Otte: Der Crash kommt

Das Buch gliedert sich in zwei Teile, im ersten beleuchtet der Autor warum wir auf einen Crash zulaufen und im zweiten Teil gibt er Ratschläge für den eigenen finanziellen Rettungsring. Prof Dr. Max Otte belegt in seinem Buch, das die Weltwirtschaft "zwangsläufig" auf eine neue Weltwirtschaftskrise zusteuert. Er sagt, dass sie nicht vermieden werden kann und uns spätestens in 3 Jahren voll erwischt.

Sein wohl wichtigstes Argument ist, das der Vermehrung von Geldvermögen keine Äquivalent beim Realvermögen entgegen steht. Das auf Pump kaufen, finanzieren und konsumieren kann nur so lange funktionieren, wie die Menschen Vertrauen in das "Papiergeld" haben. Und nur so lange dieses Vertrauen da ist, können die Notenbanken durch "Aufdrehen des Geldhahns" billiges Geld produzieren. Akzeptieren die Menschen dieses Geld nicht mehr, dann bricht dieses Kartenhaus zusammen und Vermögen, das ja nur aus Geld besteht löst sich in Rauch auf. Netter Nebeneffekt die USA entledigen sich ihrer Schulden. Otte beklagt ähnlich wie W. Buffet auch, dass die Finanzderivate, mit denen im Moment am Markt jongliert wird, nichts weiter sind als "finanzielle Massenvernichtungswaffen". Er geht auch auf den 5.ten Kondratieff Zyklus ein und erledigt so im Nebensatz Keyns Aussage von der Steuerung der Märkte.

Seine Tipps: Keine Schulden mehr machen und krisensicher investieren!! Nun hier rät er, das man sich ein paar Unzen Gold ins Depot legt und gute Aktien von Unternehmen, die auch in der Krise noch Geschäfte machen werden. Denn selbst nach 1929 haben die Leute ja konsumiert und Unternehmen produziert. Dadurch ließe sich der Impakt für sich selber etwas besser abfedern, die Gesamtwirtschaftliche Lage jedoch nicht mehr aufhalten.

Im ganzen finde ich das Buch sehr plausibel und wenn er Recht hat, dann erleben wir gerade den Anfang unseres wirtschaftlichen Armageddons, die Reiter der Apokalypse sind auf der Startbahn.

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Lena Einhorn: Das Rätsel von Damaskus

Lena Einhorn stellt in ihrem Werk die Hypothese auf, das Jesus und Paulus ein und die selbe Person ist. Jesus ist also nicht am Kreuz gestorben, sondern später als Paulus missionarisch bei den Heiden, also den Nichtjuden unterwegs gewesen. Zuerst allerdings stellt sich die Autorin der Frage, ob es Jesus wirklich gegeben hat und zählt die wenigen schriftlichen Beweise - außerhalb der Bibel - auf, von denen man mit etwas interpretatorischer Freiheit darauf schließen kann, das hier von Jesus gesprochen wird. Sie kommt zu der Schlussfolgerung, das die Zeitgenossen Jesu nichts oder fast gar nichts über Jesus berichten. Wobei es nicht einer gewissen Ironie entbehrt, das gerade der jüdische Talmud, also die gesammelte Aufzeichnung der jüdischen mündlichen Überlieferungen, einige Hinweise auf Personen enthält, die man mit Jesus gleich setzen kann.

Der Talmud wurde allerdings erst in seiner Gesamtheit ungefähr 500 Jahre nach Christi Geburt schriftlich festgehalten. Danach verfolgt die Autorin den Weg Jesu gemäß der Bibel und hinterfragt viele Zitat und versucht ihnen historische Deutungen zu geben, so fragt sie sich, ob Jesus nicht römischer Bürger war. Diese durften aber per Gesetz nicht gekreuzigt werden. Diese schmachvolle Hinrichtung war nur Sklaven und Nichtrömern vorbehalten. Pilatus will vielleicht aus diesem Grund nicht Jesus kreuzigen, so fragt sich Lena Einhorn. Ebenfalls erwähnt sie alle bisherigen Theorien, die beweisen sollen, das Jesus nicht am Kreuz gestorben ist. Nachdem sie den biblischen Lebensweg von Jesus nachgearbeitet und hinterfragt hat, vergleicht sie Paulus und Jesus. Dann stellt sie ihre oben genannte Hypothese auf und zählt sechs Beweise gegen und fünfzehn Beweise für diese Hypothese auf. Jeder Beweis wird dann noch von ihr genauer erklärt.

Ihre Beweise gegen ihre eigene Hypothese

  1. Jesus und Paulus sind Personen unterschiedlichen Charakters
  2. Jesus ist bedeutend toleranter als Paulus
  3. Jesus sprach Aramäisch, Paulus Griechisch
  4. Jesus wandte sich an Juden, Paulus an Nichtjuden
  5. Paulus schreibt sehr wenig über das Leben Jesu
  6. Paulus begegnet auf seinen Reisen den ehemaligen Jüngern ohne das diese ihn wiedererkennen.
Dann folgen diese Beweise für ihre Hypothese:
  1. Paulus Begeisterung für einen Menschen, dem er nie begegnet ist und dessen Jünger er nie war.
  2. Paulus Bekehrung kurz nach der "Kreuzigung" Jesu
  3. Paulus stammt aus der gleichen Gegend wie Jesus
  4. Paulus ist römischer Bürger (wie Jesus auch?)
  5. Beide haben ein auffallend ambivalentes Verhältnis zu den Juden
  6. Paulus reist wie Jesus in jungen Jahren nach Jerusalem
  7. Bei beiden klafft eine große historische Lücke im Lebenslauf
  8. Beide sind unverheiratet
  9. Paulus hatte ein Gebrechen
  10. Für beide ist die Auferstehung das zentrale Element
  11. Paulus ist Jerusalem gegenüber seltsam abgeneigt, obwohl hier seine Heimatgemeinde ist.
  12. Beide haben Jünger
  13. Im Unterschied zu den Jüngern ist Paulus handelndes Subjekt im Neuen Testament
  14. Die Gefangennahme und der Prozess gegen Paulus sind nahezu eine Kopie der Geschehnisse um Jesus Gefangennahme
  15. Paulus verwendet auffällig oft dieselbe Terminologie und Metaphorik wie Jesus.
Ein Buch, das spannend und unterhaltsam geschrieben ist. Wer sich für die Ursprünge der christlichen Lehre interessiert, wird hier ein paar neue Ideen finden, die weder bewiesen noch widerlegt werden können. Wer Freude an mysteriösen Theorien hat, wird seine helle Freude an diesem Buch haben.

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Al Gore: Angriff auf die Vernunft

Al Gore, der mal fast nächste Präsident der USA gewesen wäre, legt mit seinem neuen Buch eine Bestandsaufnahme der amerikanischen Gesellschaft da. Und für ihn ist die Gesellschaft krank, zu viele Schulden des Staates, kein Interesse am Klimaschutz, kein Interesse an größeren Zusammenhängen und nur noch Sensationsfernsehen anstatt kompakter und gut recherchierter Nachrichten. Obwohl die US Bürger viel Zeit vor dem Fernseher verbringen, sind sie auf dem "Marktplatz der Ideen" nicht mehr ausreichend vertreten. Gore vergleicht diesen Zustand mit dem von den Gründervätern der USA gewünschten Zustand und kommt zu dem Schluss, das die US Bürger sich immer mehr davon entfernen. Gleichwohl sieht er in den US Bürgern immer noch die Kraft und den Willen zur Erneuerung, wenn sie denn endlich wach gerüttelt werden. So sieht Al Gore sein Buch als Weckruf an seine Mitbürger, auch wenn Europäer und andere dieses Buch bestimmt sehr lesenswert finden. Es gibt viele Informationen, die mal eben so en passant erwähnt werden: Das schon kurz nach Amtsantritt von Georg Bush Junior im Kabinett über die Möglichkeiten eines Angriffs auf den Irak gesprochen wurde; das die Opposition bis auf wenige Stimmen völlig verstummt war, das die rechtskonservativen Christen vor Lügen und Druck auf ihre politischen Gegner nicht zurück schrecken, usw. usw. Die Beschneidung der Freiheitsrechte: So darf der Präsident Leute zu Terrorverdächtigen erklären, diese dann verhaften lassen und es wird weder ein Anwalt, noch ein Richter, oder die Angehörigen verständigt und die Verweildauer im amerikanischen Sicherheitsverwahrsam ist zeitlich nicht begrenzt. Man stelle sich dieses Bild einmal in Europa vor, unglaublich!

Auch den zunehmenden Einfluss der Christlichen Rechten beklagt Al Gore, wiederum beruft er sich auf die Gründerväter, die extra erklärten, dass keine Religion Vorzug vor einer anderen hat, alle stehen in den Vereinigten Staaten von Amerika gleichberechtigt da und werden begrüßt. In dieser Aufzählung wird auch der Islam erwähnt, kann man sich heute kaum noch vorstellen, doch die Freiheitskämpfer um George Washington waren vielfach toleranter als ihre Erben.

Gore sieht die große Chance im Internet, die es den Konsumenten im Gegensatz zum TV ermöglicht, sich hier wieder aktiv einzubringen. Man könne wieder streiten und die beste Meinung gewinnen lassen. Man merkt Gore an, das er amerikanisch optimistisch in die Zukunft sieht und bereit ist seinen Teil dazu zu tun.

Ein aufrüttelndes Buch, eins das einem tief in die amerikanische Denkweise beider großen Parteien einführt und vieles besser verstehen lässt. Für jeden Amerikainteressierten eine große Bereicherung in der jetzigen Diskussion.

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