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Waterloomedaillen

Um diese militärischen Ereignisse zu würdigen stifteten viele der beteiligten Staaten eine Ehrenmedaille, die den daran teilgenommen Soldaten verliehen wurde. Hier werden nun die Medaillen des Herzogtums Braunschweig und des Königreiches Hannover genauer beschrieben. Die Reihenfolge der gestifteten Waterloomedaillen: Nassau, England, Hannover, Braunschweig.

Die Braunschweiger Waterloo Medaille wurde am 11. Juni 1818 von Georg IV. in seiner Rolle als Vormund für den minderjährigen Herzog Karl II. gestiftet.

Die Stiftungsverordnung lautet wie folgt:

"Wir Georg, von Gottes Gnaden, Prinz-Regent, in vormundschaftlicher Regierung Unseres vielgeliebten Vetters, Herrn Carls, Herzog zu Braunschweig - Lüneburg, fügen hiermit zu wissen: Das wir zum fortdauernden Andenken des Feldzuges des Jahres 1815 wegen rühmlicher Auszeichnung, mit welcher das herzoglich braunschweigische Truppencorps daran Theil genommen, aus dem eroberten Geschütze eine mit dem Brustbild des glorreich gefallenen Herzogs Friedrich Wilhelm gezeichnete Medaille haben anfertigen lassen, welche allen denjenigen Personen des gedachten Corps, die an dem Kampfe gegen den Feind Theil genommen, um solche zu tragen, zugestellt werden soll, und in Ansehung derer nach folgender Vorschrift zu verfahren ist.

§1: Die Denkmünze ist gleichförmig ohne Unterschied des Grades

§2: Sie wird an einem ¼ Elle langen gelb und blau gestreiften Bande im dritten Knopfloch oder nahe demselben auf der linken Seite getragen. Das Band ohne die Denkmünze zu tragen, ist nicht gestattet.

§3: Auf dem Rande der Münze ist der Vor- und Zuname, sowie der Charakter des Inhabers, welchen er während des Feldzuges und namentlich am 16. bis 18. Juni gehabt, eingegraben.

§4: Niemand als derjenige, dessen Name die Medaille enthält, darf dieselbe tragen; bei Strafe unerlaubter Anmaßung fremder Ehrenzeichen.

§5: Als die Periode des Feldzuges wird angenommen, der Zeitraum vom 15. Juni bis 7. Juli 1815; dem Tage des Einzuges in Paris
§6: Alle Personen, welche während dieser Periode bei dem herzoglichen Truppencorps anwesend gewesen und nicht durch nachfolgende Bestimmungen davon ausgeschlossen sind, sollen die Medaille erhalten.

§7: Als wirkliche Mitglieder des Corps werden betrachtet alle Diejenigen, welche einen militärischen Grad oder Charakter und das Recht oder die Erlaubnis gehabt haben, die Uniform des Corps zu tragen, desgleichen auch die Feldprediger und etwaige andere Personen, welche mit ihrem, dem Corps im Felde geleisteten Dienste dazu geeignet erachtet werden.

§8: Dagegen bleiben von der Auszeichnung der Medaille ausgeschlossen:

a) Alle diejenigen Individuen, welche wegen ihres Benehmens an den Tagen der Schlachten vom 16. und 18. Juni entweder durch ein Kriegsgericht ihrer Dienste im Corps entlassen worden sind, oder durch nachgesuchten Abschied einem Kriegsgerichte vorgebeugt haben.
b) Alle Individuen, welche ohne besonderen Befehl oder auf sonstige unerlaubte Weise am 16. 17. und 18. Juni vom Corps abwesend waren, oder sich ohne Grund vom Schlachtfelde entfernt hatten, und deren Benehmen an jenen Tagen durch ein Kriegsgericht für tadelhaft anerkannt werden.
c) Alle Individuen, welche seit dem 15. Juni desertiert und nicht in Folge Unseres Generalpardons am 28. Mai 1816 zurückgekehrt und dadurch vollständig begnadigt sind.
d) Alle Diejenigen, welche seit dem 15. August 1815 eines entehrenden Verbrechens überführt worden sind.

§10: Ein jeder, welche die Medaille hiernach erhält, ist berechtigt, selbige für seine Person vorschriftsmäßig zu tragen, so lange er nicht durch eine entehrende Handlung sich dieses Vorrechtes verlustig macht. Würde aber gegen einen, der die Denkmünze erhalten, eine Untersuchung wegen begangener Verbrecheneintreten, so soll, wenn derselbe noch im Militärdienste sich befindet, das Kriegs- oder Standgericht, wenn er aber den Militärstand verlassen, das Civilgericht jedes Mal darüber mit erkennen, ob der Angeklagte des ferneren Tragens der Medaille unwürdig sei oder nicht.

§11: Diejenigen Individuen, welche seit der Rückkehr des Corps den Abschied aus dem Militärdienste erhalten haben, und in Ermangelung der Kenntniß ihres jetzigen Aufenthalts oder sonst zufällig die Denkmünze nicht zugestellt erhalten hätten, würden gleichwohl sich hiernach berechtigt erachten können, solche bei dem Chef, welcher im Jahre 1815 die Truppenabtheilungen befehligte, zu reklamieren, und sollen, wenn ihre Ansprüche begründet befunden werden, damit versehen werden.

Sämtliche Militär- und Civilbehörden, sowie überall ein Jeder, welchen dieses angeht, haben sich hiernach gebührend zu richten."

Da nach der Abdankung Napoleons der Militäretat gekürzt wurde und das Militär seine Stärke reduzierte bereitete die Verleihung der Waterloo Medaille einige Schwierigkeiten. So wurden 3487 Waterloo Medaillen von Militärbehörden und 2120 von zivilen Gerichten an Berechtigte übergeben. Die Gesamtverleihungszahl belief sich somit auf 5607 Waterloo Medaillen. Die Angehörigen gefallener Soldaten konnten die Medaille ebenfalls beantragen, nur wurde diese ohne Band ausgegeben.

Bei der Vertreibung Herzogs Karl II. aus Braunschweig und dem dabei gelegten Schlossbrand vom 7. September 1830 wurden noch nicht verliehene Waterloo Medaillen entwendet. So stand in der Braunschweigischen Anzeigen vom 20. November 1830 folgender Aufruf: "Bei dem Brande des Herzogl. Schlosses am 7ten Septhbr. c. ist außer verschiedenen noch fehlenden Actenstücken des Herzogl. Kriegs-Archivs auch eine bedeutende Anzahl Waterloo-Medaillen, welche theils mit Namen bereits versehen, theils noch glatt gerändert gewesen, abhanden gekommen. Da nun dem Vernehmen nach besagte Waterloo-Medaillen im Publico circulieren, für dasselbe aber von keinem Nutzen sein können, so werden die gegenwärtigen Inhaber derselben hiermit aufgefordert, solche in dem Locale des Herzoglichen Kriegs-Collegis am Augustthore Nro. 2554d. an den Kriegs-Registrator Schwarz gegen eine Gratification von einem Gutengroschen für jede noch brauchbare Medaille abzuliefern. "

Mit Verordnung vom 6. April 1865 (also ca. 50 Jahre nach der Schlacht) änderte der regierende Herzog Wilhelm, der jüngere Sohn des Schwarzen Herzogs Friedrich Wilhelm, die ursprüngliche Stiftung dahin gehend, dass das Tragen des Bandes ohne die Waterloo Medaille den Berechtigten freigestellt wurde.

Die Braunschweiger Waterloo Medaillen wurden vom Stempelschneider C. Häseler hergestellt. Auf Grund der hohen Verleihungszahl nutzen sich die Stempel ab und Häseler musste mehrere Stempel herstellen. So sind mehrere Varianten bekannt. Siehe hierzu die Detailaufnahmen.



Achten Sie auf die Mützenspitze des Schwarzen Herzogs, den Winkel der Stirn und den Ärmelabschnitt, in dem der Name des Herstellers steht. Die Medaillen wurden im Gegensatz zu allen anderen gestifteten Waterloomedaillen nicht aus Silber sondern aus der Bronze aus eroberten Geschützen hergestellt. Da diese wesentlich härter als Silber ist, erklärt sich auch die Abnutzung der verwendeten Prägestempel. Das hier abgebildete Exemplar wurde nachträglich versilbert, ob vom Träger oder einem Sammler, der diese Medaille damit den anderen Waterloomedaillen angleichen wollte ist nicht bekannt.



Auf der Aversseite der Braunschweiger Waterloo Medaille befindet sich das nach links gewendete Brustbild von Herzog Friedrich Wilhelm in Uniform. Darum befindet sich die Umschrift: Friedrich Wilhelm Herzog. Im Ärmelabschnitt prangt der Name C. Häseler. Interessanterweise sind auf den anderen gestifteten Waterloomedaillen die Brustbilder immer nach rechts gewandt. Sollte diese Ausrichtung zeigen, das der schwarze Herzog zur Stiftung bereits tot war?

Auf der Reversseite befindet sich in der Mitte die Jahreszahl 1815. Darum liegen rechts Eichenlaubzweige und links Zweige des Lorbeerbaums. Die Umschrift lautet: Braunschweig seinen Kriegern Quatrebras und Waterloo.

Im Rand tragen die Medaillen den Vor und Nachname des Beliehenen, in der Regel auch den Truppenteil und den Dienstrang.

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